Tuesday 24. November 2020

Bleiben wir nicht stecken. Schreiten wir fort.

 

Peter legte sein aus Papier gefaltetes Boot vorsichtig aufs Wasser und der Bach nahm es plätschernd auf seinem Weg abwärts mit. Der Kleine folgte ihm eilend am Ufer bis er hinkam, wo das Boot zwischen den Steinen, die aus dem Wasser auftauchten, stecken blieb. Das Wasser brachte es dorthin, bis das Boot versank.

 

Der Bach kann mit dem Leben verglichen werden, das ein vibrierender, aktiver Vorgang ist. Man darf sich nicht in eine Kluft verklemmen. Wenn etwas stagniert, existiert es nur, aber es lebt nicht. Man kann nur so fortschreiten, wenn man von dem ersten Schritt Abschied nimmt und man in den zweiten tritt, und in weiteren. Während die Zeit vergeht, muss die gegenwärtige Minute verloren werden, und wir müssen uns in die nächste Minute einfügen. Man kann nur so zum Erwachsenen werden, wenn man seine Kindheit weglässt und sich verändert. Wir würden auf einen Erwachsenen, der lallt, komisch sehen, weil er an dem Kindesalter festhält, er will es nicht verlieren. Aber zu jeder Veränderung, jeder Entwicklung braucht man auch den Verlust – was einer der Grundbegriffe des Lebens ist. Was im Moment existiert, soll sich umformen und umgestalten. Die Mutter, die ihr zweites Kind zur Welt bringt, ist nicht mehr dieselbe Mutter, die ihr erstes Kind gebar. Sie gewann viel Erfahrungen, während sie sich mit dem ersten Kind beschäftigte, und jetzt tut sie anders mit dem Neugeborenen.

 

Als ein Naturfreund sage ich: in jedem Morgengrauen, immer, wenn ich wach werde, lehne ich mich zum Fenster hinaus, um den Sternenhimmel zu sehen. Jeden Monat warte ich aufgeregt darauf, dass der Vollmond sich auf den Himmel erhebt. Das bedeutet immer ein neues Erlebnis für mich, obwohl sich die Sterne und der Mond nicht verändern. Was sich veränderte, existiert in mir. Ich entwickelte mich, daraus resultiert, dass mir diese wiederholenden Dinge jedes Mal ein neues Erlebnis bieten.

 

Wenn wir außer Acht lassen, und nicht bewusst unseren alltäglichen Verlust gegenübertreten, dann müssen wir viel schwerer die seltener vorkommenden und schwereren Fälle ertragen. Der Tod eines Familienmitgliedes verursacht in jedem Menschen eine schmerzhafte Unbefriedigtheit, aber jede Person erlebt das anders. Der Mensch, dessen Glaube an Gott stark ist, erfährt den Mangel physisch, aber er ist sicher dabei, dass dieser Zustand nicht endgültig ist. Die Liebe verbindet ihn auch nach dem Tod mit dem Verstorbenen und sein Glaube versichert, dass sie im ewigen Leben wieder zusammen sein können. Einige können sich nach bestimmter Trauer mit der unveränderten Lage abfinden und sie setzen ihr Leben mit nützlicher Arbeit fort. Andere beschäftigen sich mit der Trauer, sie erlauben sich sogar krank zu werden. Jahrzehnte lang können sie ihr Leben nicht wieder neu bauen und in Vollständigkeit erleben. Das ist ein individueller, zu einer Pesönlichkeit gehörender Zustand, der schwer verändert werden kann – eventuell kann man es mit dem Mitgefühl und mit freundlicher Liebe mildern.                        

 

Nach der Wissenschaft kann man auch einschätzen, in welchem Maße der Verlust in unserem Leben nötig ist. Z.B. alle Knorpel unseres Knochens werden ungefähr während 7 Jahren neu gebaut. Also das Material, das im Körper einer Person ist, wird methodisch verloren, und an ihrer Stelle bildet sich ein neues Material. Das ist leicht zu verstehen und zu akzeptieren, wenn wir an ein sich entwickelndes Kind denken, dessen Gliedmaßen stärker und länger werden. Im Alter verlangsamt es sich. Der Schlaf kann auch nicht als Verlust betrachtet werden, der keinen Nutzen hat. Er hilft unserer körperlichen und seelischen Gesundheit in großem Maße, da sich unsere Organe im Schlaf regenerieren. Wir bekommen während des Tages verbrauchte Energie durch den Schlaf zurück.

 

Es lohnt sich zu beobachten, warum sich die alt werdenden Menschen in vielen Fällen ihres restlichen Lebens sorgen. Man sagt, dass sie durch das Verlieren der Selbständigkeit bekümmert werden. Das ist verständlich. Aber in den einfachen Gesellschaften, z. B. in Afrika verbinden sich die Menschen in einem breiteren Kreis miteinander. Die Familie besteht nicht nur aus dem Vater, der Mutter und dem Kind, sondern die Verwandten bilden mit ihnen auch stark eine Einheit. Dort zeigt sich nicht, dass jemand davor Angst hätte, dass kein Mensch für ihn sorgt. Sie können sich ohne weiteres der anderen Person anvertrauen. Für ihr ganzes Leben ist charakteristisch, dass die Kinder nicht nur die Kinder des engen Familienkreises sind, sondern alle sorgen für sie. In den europäischen Ländern war die Lage auch ähnlich Mitte des XX. Jahrhunderts. Leider wird jetzt die Familie eingeteilt: z. B. die kleinen Kinder werden in den Kindergarten, die Alten werden in ein Altersheim geschickt, also die Familie lebt nicht mehr so zusammen wie früher. So sind die Menschen darum besorgt, wie es ihnen weiter geht, wenn sie alt werden.

 

In einem christlichen Krankenhaus, Institut ist die Hoffnung regelmäßig tiefer, die äußerung der Liebe zueinander ist mutiger. Über solche Erfahrungen werden Umfragen berichten, dass eine Genesung, die aus einer Krankheit stammt, kann durch das Gebet in großem Maße gefördert werden. Nicht in jedem Altersheim ist eine Kapelle, aber wo sie existiert, kann man gleich beim Entritt spüren, dass neben den gesundheitlichen Dienstleistungen ein anderes erhabenes Heilverfahren erreichbar ist.

 

Wenn wir alt werden, müssen wir unsere Verluste bewältigen, die sich aus dem Lebensalter ergeben. Unser Herz wird schwächer, wir halten das Tempo nicht mehr durch. Unsere Organe werden schwächer, wir können uns nicht gewandt bewegen, auf Situationen so reagieren wie früher. Unser Geist, unser Erinnerungsvermögen werden schwächer. Wir haben früher eifrig darauf gewartet, dass wir in unseren Rentenjahren viel lesen werden, aber jetzt können wir es wegen unserer schwachen Augen nicht genießen. Die Lage wird in hohem Maß leichter, wenn wir akzeptieren, verarbeiten können und uns an veränderten, immer sinkenden Fähigkeiten anpassen können. Man darf eigentlich nicht stagnieren, stecken bleiben, sonst können wir auch unsere Lebenslust verlieren.

 

Auf allen Ebenen des Lebens, also auch im Alter muss man sich bemühen, die vorhandenen Fähigkeiten auszubilden. Wir müssen tätig sein, wie es möglich ist. Man darf nicht darum besorgt sein, dass man etwas nicht erledigen kann wie früher. Wir müssen uns darauf konzentrieren, unsere Aufmerksamkeit und Willenskraft dafür aufwenden, was wir auch jetzt machen können. Wenn wir uns darüber freuen können, was wir noch erreichen können, und wir nicht darüber traurig sind, was nicht mehr existiert, dann können wir im Glück, in Erfüllung leben.

 

Anna Varga, Zirc, Ungarn

18.6.2015

Drei Wochen in Österreich; EU-Projekt Senior volunteering 50 +

 

Ich habe an dem „EU-Projekt Senior vulunteering 50 +” teilgenommen.  Dieses Programm macht Österreich in Kooperation mit Ungarn.

Der Hauptorganisator in Österreich ist das Katholische Bildungswerk (KBW), in Ungarn der Katholische Verein der Jugendlichen und Erwachsenen (KIFE).

Die österreichische Erwachsenenbildungsorganisation bietet viele Veranstaltungen an, die wir kennengelernt, an denen wir teilgenommen haben.

In Kärnten haben wir Details über die Struktur der Einrichtungen erfahren, und darüber, wo und wie man mit Freiwilligen arbeitet. Wir haben in der SeniorInnenbildung in KBW Kärnten an Kursen des Programms „Mitten im Leben – auch im Alter lebendig und selbstbestimmt” teilgenommen und die Wirksamkeit kreativer Methoden kennengelernt.

In Oberösterreich haben wir am SelbA-Training (Selbstständig im Alter) und Seminaren, an verschiedenen Trainings (Gedächtnis-, Bewegungs-, Fähigkeits-,) teilgenommen, wir haben auch erfahren können, wie die Sinn- und Glaubensfragen besprochen werden, um im Alter geistig fit zu bleiben.

In Burgenlad hat die Diözese Eisenstadt / Referat Ehe & Familie unser Programm organisiert. Hier haben wir das LiMA (Lebensqualität im Alter) kennengelernt. Das Trainingsprogramm wird für Menschen ab 60 Jahren angeboten. Wichtig ist der ganzheitliche Ansatz für mehr Lebensqualität im Alter. Wir haben erfahren, wie wichtig es beim LiMA-Trainig ist, die verschiedenen Trainings-Bereiche zu verknüpfen. Wir haben an verschiedenne Aktivitäten und Seminaren teilgenommen,  wie z.B.  Gedächtnistraining, Psychomotorisches Training, Kompetenztraining, an Besprechungen der Glaubens- und Sinnfragen.

Sowohl die Mitarbeiter des KBW als auch die Gruppenleiterinnen sind sehr gut ausgebildet, sie arbeiten mit großen Fachkenntnissen, mit viel Liebe und Verständnis.

Ich habe während dieser Wochen kreative Methoden, verschiedene Trainings und verschiedene Aktivitäten kennengelernt. Ich habe das Hauptziel dieser Aktivitäten verstanden und mit eigenen Augen gesehen, selbst erfahren, nämlich: auch im Alter Körper, Geist und Seele fit zu halten, die Fähigkeiten zu entfalten, aktiv und selbstbestimmt zu bleiben.

Wir haben auch an vielen kulturellen und geistlichen Programmen (Opernaufführung, Ausstellungen, Museen, Mitfeier der Heiligen Messe, Maiandacht, gemeinsames Gebet und Singen) teilgenommen, wir haben viel Landeskunde (Bergsteigen, Schiff-Fahrt, Besuch in der Bibliothek, Maibaumfest, Stadtbesichtigungen, Begegnungen) miterlebt, die Sprache, die Menschen näher kennengelernt, die Köstlichkeiten der österreichischen Gastronomie, die Gastfreundschaft genossen.

Ich hoffe sehr, dass ich das Gelernte multiplizieren kann.

 

Varga Istvánné (Kata); Tata

Gastfreundschaft und Menschenliebe

 

Dass unsere österreichischen Geschwister freundliche und liebevolle Menschen sind, wusste ich schon, seitdem ich in Österreich regelmäßig Ski fahre. Dieses Mal traf ich aber Brüder und Schwester, die alle meine bisherigen Erwartungen weit überboten haben.

                                    

Unsere kleine Delegation nahm an der Planung:" EU-Projekt Senior volunteering 50+"  teil, um zu wissen, welche Wege in der Katholischen Kirche (Katholisches Bildungswerk) gefunden worden sind, um das Leben der älteren Generation schöner und reicher gestalten zu können.

 

Im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit standen die Gruppen der Seniorenbildung Kärnten "Mitten im Leben", Oberösterreich "SelbA" und im Burgenland "LIMA".

Außerdem besuchten wir Altersheime, Behindertenheime, spezielle Seniorinnengruppen-Veranstaltungen und ein "Erzählkaffee". Wir besuchten Kathedralen, Kirchen und kleine Kapellen. Unsere Gastgeber sorgten auch für sinnvolle und interessante Freizeitprogramme wie Stadtführungen, Besuch des Heimatmuseums, Wanderungen, eine Schifffahrt auf dem Wörthersee, Theaterbesuch, Schlossbesuche, Teilnahme an Gottesdiensten usw.

 

Wie könnte ich auch nur einiges von den wunderschönen Programmen oder auch nur einzelne von unseren Begleitern und Begleiterinnen sowie den Freiwilligen hervorheben, ohne die anderen zu beleidigen? Denn alle waren bei Ausübung ihrer Tätigkeiten hervorragend, liebevoll, und begabt.

 

Unser Ziel haben wir erreicht.

Wir haben erprobte, funktionsfähige Methoden kennengelernt, woraus wir mit ruhigem Gewissen schöpfen können. In uns hat der Besuch in den 3 Bundesländern tiefe Spuren hinterlassen. Wir werden die 3 Wochen nie vergessen.

 

Unsere Gastgeber haben alles getan um uns zu zeigen, was sie auf dem Gebiet der Seniorenbildung erreicht haben. Wir haben versucht, so viel Wissen und Erfahrung mit nach Hause zu bringen wie es möglich war. Wir waren Zeuge mit welcher Hingabe, Faszination und Liebe die Mitarbeiterinnen und freiwillige Gruppenleiterinnen die Gespräche in den Seniorengruppen geführt haben.

 

In jeder Gruppe, in jedem Beisammensein, überall, wo wir erschienen sind, wurden wir gern gesehen und freundlich aufgenommen - mit Gastfreundschaft und Menschenliebe.

 

Wir danken vielmals dafür.

 

Dr. Suller Attila

Delegationsmitglied der ungarischen Freiwilligen

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Darstellung:
https://www.svp50plus-project.eu/